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    Jean-Paul-Portal

    Beispiel für die Verwendung
    eines Satire-Eintrags im Siebenkäs

    Siebenkäs und Leibgeber betreten unangemeldet "das Haus des Herrn von Blaise (oder deutsch: Blasius)" und überraschen den Heimlicher schlafend in der Hauskapelle (erstes Bändchen, zweites Kapitel, HKA I/6, S. 48 und S. 52): "[...] Sie drückten sich durch die lange Ritze, und siehe, oben an der Tafel saß einsam der Heimlicher und setzte schlafend seine Andacht fort, mit der Federmütze unter dem Arm. Seine Haus- und Kirchendiener hatten ihm nämlich (und das geschah sonntäglich) so lange vorgelesen, bis ihn der Schlaf zu einem Petrefakt oder einer Salzsäule gehärtet hatte, weil ihm sowol die gegessene als die getrunkene und die geistige Nahrung die Augen so schwer machte als den Kopf - oder auch, weil er wie alle Zuhörer unter dem Anwurf des göttlichen Samens gern die Augen zumachte, wie Leute, die sich pudern lassen - oder weil Hauskapellen und Hauptkirchen noch den alten Tempeln gleichen, worin man die Orakel-Belehrungen schlafend empfing. Alsdann lasen die Bedienten immer leiser, um ihn allmählig an das Verstummen zu gewöhnen. Dann ließ ihn die andächtige Dienerschaft in seiner betenden Richtung bis um 10 Uhr auf dem Stuhlbette angelehnt, und alles wanderte leise davon; um 10 Uhr (wo ohnehin die Frau Heimlicherin von Visiten wieder kam) schrie ihn der Hausküster mit Beistand des Nachtwächters durch ein grelles Amen auf einmal aus dem Schlafe, und er setzte sich wieder etwas auf den kalten Kopf. - -"
    Wenig später, als Leibgeber einen Scherenschnitt von Blasius anfertigt, sagt er über ihn: "Sehr gelassen will ich das ausgepolsterte Gesicht dieser betenden Schlafmütze ausschneiden und als gage d'amour mitnehmen."

     

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