Intern
    Jean-Paul-Portal

    Beispiel für die Verwendung eines Satire-Eintrags im Prologus der Baierischen Kreuzerkomödie

    "Wenn S u l z e r Humor für das seltenste Talent ausgiebt: so macht er sich dadurch mich und ieden zum Feinde, der vielmehr das Talent, den Humor zu goutiren, für noch seltner ausschreiet - und selbst den Rezensenten, der sich über diese abgeläugnete Ungewöhnlichkeit seines Talentes ärgern mus. Ich meines Ortes bring' es zu etwas Klügerem, indem ich gesunder denke und dem Rezensenten soviel Seltenheit und Brauchbarkeit zulege als meinem hektischen Schwiegervater. Denn der hat natürlicherweise, wenn man das Adiektiv in ein Substantiv umsezt, die völlige Hektik und daher folgenden arsenikalischen Nuzen: er ist nämlich eben so offizinel und arsenikalisch als andere hektische Schwiegerväter, die Haller in meiner Note unten*) zu preisen und zu schildern hat. Dieser betagte und bejahrte Schwiegervater wird im Sommer von mir und meinem Hause zu nichts geringerem als zu einem giftigen Fliegenschwam und Fliegenstein verbraucht, den man noch dazu ganz lassen kan und ich habe seitdem stat Millionen Mücken-Kotterien nur einen einzigen Hektiker zu beköstigen, der mehr von Essen als von der Luft lebt. Denn es leidet niemand dabei (die Fliegen und ihren hektischen Freund Hain ausgenommen), daß ich den leztern, ich meine den fliegenepidemischen Todesengel nöthige, den ganzen Tag stat einer Seuche in allen meinen Stuben herumzugrassiren und seinen mephitischen Athem und Sirockowind aus seiner Lunge in der Fliegen ihre einzublasen, die einen solchen abscheulichen Schwaden (es ist leicht zu denken) gar nicht auszuhalten im Stande sind, weil sie auf ihre Nase nicht den antimephitischen Respirator von Pilatre de Rozier aufzusezen haben. Hab' ich aber nicht zuweilen die Hand meines guten und giftigen Schwiegervaters angefasset und ihn zum Grassiren angefeuert und gefragt: "ob er nicht sähe, daß er nicht zu verachten wäre, sondern daß er, solange er mit seinen Lungenflügeln ein so äusserst feines Miasma unter die Fliegen wehte, im Sommerhalbjahr ein eben so edles Glied in der physikalischen Welt ausmachte, als der R e z e n s e n t in der litterarischen, der auch in der ganzen Gelehrtenrepublik herumschliche und mit seinem äzenden Athem alle litterarische Mücken so anhauchte, daß sie nach einem halben Jahre ärger krepirten wie die Fliegen - und ob er nicht wüste, fragt' ich, daß das alles im Prologus zur baierischen Kreuzerkomödie viel weitläuftiger stände.

    *) Haller erzählt im 2 B. seiner grossen Physiologie, daß Schwindsüchtige mit ihrem Athem Fliegen hingerichtet und ein mit der englischen Krankheit Behafteter einen Vogel."

    Kontakt

    Institut für deutsche Philologie
    Am Hubland
    97074 Würzburg

    Suche Ansprechpartner

    Hubland Süd, Geb. PH1